Savoir-vivre
Montréal - Ich habe gerade eben einen Eintrag für diesen Blog geschrieben. Kurz bevor ich ihn speichern wollte, stürzt mein Browser ab. Es gibt jetzt also eine zweite misslaunige Version dieses Eintrags.Also erstmal: Montréal ist scheiße. Eigentlich ist ganz Kanada scheiße. Aber vor allem mein Browser.
Ich fange besser nochmal an.
Montréal - Gestern bin ich nach 20 Zugstunden in Montréal angekommen. Die Zugfahrt war relativ langweilig und so richtig schlafen konnte ich auch nicht. Nach ca. 10 Stunden des Schweigens wurde ich dann von der Frau neben mir (obwohl ich mich selbstverständlich betont abweisend verhalten hatte) in ein Gespräch verwickelt. Ich erzählte ihr, dass ich zwei Semester in Halifax studiert hatte und nun etwas herumreise. Sie verstand das alles nicht so richtig. Das Konzept einer Jugendherberge musste ich ihr erstmal erklären. Am Schluss unserer Konversation fragte sie mich dann noch ob ich eigentlich auch mit dem Zug von Deutschland nach Halifax gefahren wäre.
Montréal unterscheidet sich schon deutlich von der durchschnittlichen nordamerikanischen Großstadt. Die Menschen hier tragen ein gewisses savoir-vivre (frz. für Arroganz) mit sich herum. Man ist geschmackvoller parfümiert, raucht mehr und isst besseres Essen als im übrigen Kanada.

Dieses Foto habe ich heute morgen gemacht als ich durch den Hafen von Vieux-Montréal geschlendert bin. Dort habe ich mir auch einen Café au lait und ein Croissant geholt. Um genau zu sein, es waren zwei Croissant. Denn ich wollte endlich mal etwas auf französisch bestellen und wusste nicht ob es "un Croissant" oder "une Croissant" heißt. Also sagte ich "deux Croissant".
Leider ist es ziemlich kalt draußen. Zu kalt für meine dünne Jacke. Heute morgen flogen sogar kurz ein paar Schneeflocken vom Himmel. Deshalb sitze ich auch im Hostel und schreibe zweimal einen Blogeintrag.
Irgendwas stinkt hier. Ich glaube die Engländerin hat sich gerade Essig über ihre Nudeln gekippt. Ich werde mich jetzt glaube ich auch wieder nach draußen begeben und durch die Gassen von Montréal schleichen. Morgen geht's dann schon weiter im Zug nach Toronto. Die Frau von gestern ist schon gestern weiter nach Toronto gefahren. Ich kann also gespannt sein, wer dieses mal neben mir sitzt.
ms
Letzter Halifaxeintrag
Halifax - In wenigen Stunden setze ich mich in den Zug gen Westen. 20 Stunden wird's dauern bis ich dann in Montréal ankomme. Auf dem Weg werde ich mein Französisch auffrischen. Angeblich gibt's im Zug auch WLAN (gegen Bares). Also wenn mir extrem langweilig wird, surfe ich im Netz rum.Ich habe jetzt leider keine Zeit für große Ausschweifungen, nur soviel sei gesagt:
Ich werde Halifax vermissen...
ms
Florentine Pogen
Halifax - Meine Klausuren sind jetzt vorbei und ich habe noch ein paar Tage in Halifax bis es in Richtung Westen geht. Meinen Bass hab ich heute auch verkauft nachdem der erste Interessent gestern plötzlich abgesprungen war. Das heißt leider auch, dass ich in den nächsten Wochen nicht mehr Bass spielen kann. Wobei meine Fähigkeiten natürlich eher bescheiden sind. Das komplexeste, was ich "spielen kann" ist übrigens das folgende Stück. Zieht es euch mal rein!ms
One night in Halifax

ms
Eindrücke
Halifax - Gestern morgen um 12 Uhr mittags bin ich von einem Klopfgeräusch aufgewacht. Zwei Sekunden später stand mein Vermieter in der Tür und zeigte mein Zimmer einer potentiellen Nachmieterin während ich völlig verpennt im Bett lag. Da ich meine Brille natürlich nicht auf hatte, konnte ich nichts erkennen außer ihren blonden Haaren und ihrem jungen kriegsbemaltem Gesicht. Mein Zimmer sah nach der letzten Lernorgie für meine Statistische Mechanik Klausur aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Der Boden war bedeckt mit Zetteln auf denen ich wilde physikalische Kalkulationen aufgeschrieben hatte. Ich weiß also nicht, ob der Eindruck sehr positiv war (also jetzt der Eindruck meines Zimmers). Aber mein Vermieter macht das schon mit dem Nachmieter-finden. Nachher hab ich dann noch gehört, dass er ihr erzählt hat es gäbe schon einige Bewerber und sie müsse sich schnell entscheiden, da das Zimmer sonst vergeben wäre. Das stimmt jetzt nicht ganz. Also um genau zu sein, war sie die erste. So macht man das eben als gerissener Vermieter. Mir hat er das ja damals vor 9 Monaten auch erzählt.Jetzt muss ich noch durch zwei Klausuren. Nonlinear dynamics am Freitag ist hoffentlich relativ leicht. Solid state physics am Montag wird auf auf jeden Fall sehr schwer. Obwohl ich an der TU schon Festkörperphysik I gehört habe, fällt mir der Kurs hier ziemlich schwer. Das liegt daran, dass der Kurs an der TU eher experimentalphysikalisch war. Der Kurs hier ist pure Theorie. Also Quantenmechanik und statistische Mechanik rauf und runter.
Ansonsten muss ich so langsam meine Abreise vorbereiten. Instrument verkaufen, Unibücher verkaufen, Gepäck zu meinen Gasteltern schicken, noch ein letztes mal ein paar Eindrücke von Halifax sammeln,...
ms
Der Tragödie letzter Teil
Halifax - Am Samstag ist meine erste Klausur in Statistical Mechanics. Die Klausur findet statt um 7 Uhr abends (!) im Dalplex und dauert 3 Stunden. Also genau richtig um danach wegzugehen. Das Dalplex ist die Turnhalle auf dem Campus und ein recht seltsames Gebäude. Die Halle hat nämlich keine Stützpfeiler sondern nur Außenwände. Damit das ganze nicht einstürzt wird der Innenraum ständig unter Überdruck gehalten. Um reinzukommen, muss man zuerst durch eine Schleuse um Druckabfall zu verhindern. Wär doch mal ganz interessant zu sehen, was so passiert, wenn man da für - sagen wir mal - eine viertel Stunde die Tür offenstehen lässt.Habe gerade die Seite schulradar.de entdeckt. Dahinter verbirgt sich eine Bewertungsplattform für Schulen. Meine alte Schule schneidet nicht besonders gut ab. Leider gibt es keine Informationen darüber auf wievielen Stimmen das Ergebnis beruht. Es können aber nicht viele sein, die Seite gibt's nämlich erst seit heute (Die Lehrer meckern auch schon). Von daher ist das Ergebnis nicht besonders aussagekräftig. Spätestens wenn im Sommer mein jüngster Bruder auf die Schule kommt, wird das Kriterium "Stimmung unter Mitschülern" wieder auf das Level kommen, wo es war, als noch ich oder mein anderer Bruder dort Schüler waren...
Damals in der Abizeit war ich verantwortlich für die Abizeitung und habe daher noch zig Artikel und Fotos auf meinem Rechner. Ich habe mal zwei Exemplare hervorgekramt:
10 Dinge, die ich an dir mag (Layout von mir)
Der Tragödie letzter Teil (Text und Foto von mir)
ms
I'm Homer, who are you?
Halifax - Okay, irgendwie konnte ich es mir bei meinen Quizantworten schon denken, war dann aber doch mindestens geschockt als man mir sagte ich sei wie Homer Simpson...
I'm Homer, who are you? by NoHomers.net
Obnoxious heißt übrigens anstößig, widerlich, unausstehlich.
ms
War spät gestern
Halifax - Meine 8 Monate in Kanada sind auch meine ersten 8 Monate ohne Fernseher. Und ich muss sagen, ich hab es überlebt. Natürlich schau ich mir hin und wieder eine DVD oder eine alte Kommissar, Stromberg oder Becker Folge auf meinem Computer an (der funktioniert jetzt übrigens wieder, bin komplett auf Linux umgestiegen).Ich wollte euch aber eigentlich von einer ehemaligen Sendung aus dem Hessenfernsehen berichten. Late Lounge, hieß sie, und war die »preisgünstigste Sendung im deutschen Free-TV« denn sie wurde mit (laut Wikipedia) teilweise abgeschriebener Technik produziert. Late Lounge lief werktags spätabends und war eine Art Talkshow. Damit ihr euch mehr darunter vorstellen könnt, gibt's hier eine kleine Youtube-playlist, die ich eben erstellt habe. Late Lounge war übrigens die einzige Sendung, bei der ich mal im Publikum saß.
ms










